Dagestanisches Märchenrepertoire
Referenz-Motiv = a531:Hh:Auffälliges_GEGENSTANDES_habhaft_werden:rHD_rZM_rZO
Häufigkeit = 3
Zur besseren Übersichtlichkeit der Liste sollten die entsprechenden Graphen betrachtet werden. Dabei muss der Häufigkeitsparameter mithilfe des Filters angepasst werden. Eine passende Filtereinstellung für diesen Fall lautet wie folgt:
· Select a network item = edge;
· Select a property = width;
· Select value(s) ≥ 3
a550:H:REITTIER_erfassen:rHD_rZO {-1, inf}
a531:Hh:Auffälliges_GEGENSTANDES_habhaft_werden:rHD_rZM_rZO {0}
a531:HF:Heiratszusage_erpressen:rHD_rZO {2}
a531:H:Heiratszusage_erpressen:rHD_rZO {3}
a531:h:Abtretung_der_Schönen_stehet_bevor:rHD_rZO {4}
a531:H:SCHÖNE_erfassen:rHD_rZO {4}
a531:f:Begehren_einer_Person_oder_eines_GEGENSTANDES:rZO_rAN {5}
a531:hf:SCHÖNE_herbeiholen:rAN_fVB {5}
a531:f:SCHÖNE_herbeiholen:rHD_rAN {6}
a531:f:FEHLENDEN_Gegenstand_besorgen:rHD_rAN {6}
a531:F:Sich_einem_magischen_EINGRIFF_unterziehen:rZO_rAN {6}
a531:F:Auf_Hilfsquelle_zurückgreifen:rHD_rZO {7}
a531:HF:Magischen_EINGRIFF_vorbereiten:rZO_rAN {7}
a531:H:Magischen_EINGRIFF_vorbereiten:rZO_rAN {8}
a531:H:Heilkunst_VORTÄUSCHEN:rZO_rAN {9}
a531:f:Zu_Beauftragungen_anregen:rAN_fVB_x_x {10}
Der Kern des Typs ATU 531 Sohn des Jägers setzt sich aus den folgenden exklusiven Motiven (Episoden) zusammen:
· Der Held gelangt in den Besitz einer leuchtenden Feder.
· Die Feder weckt die Neugier.
· Der Neugier folgt der Auftrag, den ehemaligen Besitzer der Feder herbeizuholen.
· Die daraufhin herbeigeholte Schöne überredet den Auftraggeber, ein Verjüngungsbad in siedender Milch zu nehmen.
Wenn der Held eine leuchtende Feder erlangt, zieht er damit automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Derjenige, der auf das Licht aufmerksam wird, ist der auftraggebende Usurpator. Manchmal wird von einem Diener berichtet, der diesen Gegenstand erstmalig entdeckt und umgehend seinen Herrscher informiert.
Gelangt die Feder in die Hand des Usurpators, folgt unmittelbar der Wunsch, dass der Held auch den Besitzer der Feder herbeiholt. In den weltweit am weitesten verbreiteten Varianten handelt es sich dabei um einen Vogel, den der Held nach den Anweisungen seines Helfers in seinen Besitz nimmt.
Im Gegensatz zu diesen Varianten verweist das dagestanische Märchen auf eine direkte Verbindung der Feder zur Vogeljungfrau. Diese erscheint gewöhnlich täglich am Meeresstrand, legt ihr Federkleid ab und steigt zum Baden ins Wasser. Nach dem Rat seines Helfers eignet sich der im Gebüsch versteckte Held das abgelegte Kleid an und erklärt sich nur bereit, es gegen das Versprechen der Heirat (bzw. Unterwerfung) zurückzugeben. Die Vogeljungfrau muss zustimmen.
Die Verbindung zwischen Feder – Auftraggeber – Vogeljungfrau zeigt eine starke Folgerichtigkeit. Das Auffinden der leuchtenden Feder erfüllt zwei Funktionen: Erstens bereitet es die Kontaktaufnahme mit dem Auftraggeber vor (die Feder leuchtet in der Nacht und zieht dadurch Aufmerksamkeit auf sich), und zweitens löst es die logische Aufforderung aus, den geheimnisvollen Besitzer der Feder herbeizuholen.
Dass es sich bei dem gesuchten Objekt um einen Vogel handeln muss, ergibt sich bereits aus der Beschaffenheit des provozierenden Gegenstandes. Auch die Tatsache, dass dieser Vogel kein gewöhnlicher sein kann, ist für das Märchen nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jedoch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Vogel und der für diesen Märchentyp absolut notwendigen Schönen.
Einerseits gibt es Konstellationen, in denen zwischen diesen beiden Objekten (Vogel und Schöne) keine Verbindung besteht. Sie sind in diesen Fällen lediglich unabhängige Objekte der Aufgabe, die auf unterschiedliche Weise erfüllt werden können. Andererseits steht die Spezifikation des Vogels als Vogeljungfrau für eine verbindliche Verknüpfung zwischen dem Helden, dem Auftraggeber und der herbeigeholten Frau. In dieser Konstellation stehen nicht nur alle Aufgaben in einem schlüssigen Zusammenhang, sondern ihre Auslösung wird auch mit absoluter Nachvollziehbarkeit im Sinne der Märchenlogik begründet. Der Auftrag lautet dann nicht einfach: „Hol mir die Schöne!“, sondern es ergibt sich folgerichtig, dass die Schöne als Besitzerin des gesuchten Objekts erscheint. Die charakteristische Funktion einer solchen Figur (als Zielobjekt oder Besitzerin des Zielobjekts) besteht darin, den Usurpator zu beseitigen und – sofern es sich um eine Schöne handelt – den Helden zu heiraten.
In diesem Fall ist die Aktivität der herbeigeholten Frau beträchtlich. Sie stellt die Bedingung, den Auftraggeber erst nach dessen Verjüngung zu heiraten. Dafür muss der Held die wilden Stuten einfangen, sie melken und aus deren Milch ein Verjüngungsbad vorbereiten. Da der Usurpator es nicht wagt, in das siedende Milchbad zu steigen, muss der Held die Rolle einer Testperson übernehmen.
Bemerkenswert ist, dass die Schöne dabei sowohl dem Usurpator als auch dem Helden gegenüber durchaus unfreundlich bleiben kann. Tatsächlich steht dem Helden sowohl bei der Beschaffung der Milch als auch beim Bad in siedender Milch allein sein Pferd als Helfer zur Seite.
Die Rolle des Helfers ist in diesem Märchen – wie auch in anderen Märchen – von großer Bedeutung. Dabei zeigt die Herkunft des Pferdes eine gewisse Stabilität: Es stammt aus dem Märchentyp ATU 550 Vogel, Pferd und Königstochter. Diese Kombination geht mit beträchtlichen Änderungen des traditionellen Inhalts dieses Typs einher, worauf näher in der Beschreibung des Typs ATU 550 eingegangen wird.
Zur Betrachtung einzelner Realisierungsfälle eines bestimmten Typs steht der Textkatalog zur Verfügung.