⚠ Vorurteile im Märchen

Märchen im Allgemeinen zeichnet sich durch den umfangreichen Einsatz vieler, durch die religiöse, geschlechts-, alters- und ethnische Zugehörigkeit motivierte Vorurteile und Stereotypen mit äußerst negativen Konnotationen aus.

Die Auseinandersetzung mit diesem Problem wird gewöhnlich durch folgende Faktoren erschwert: zum einem ist die Sorge um die authentische, originalgetreue Wiedergabe der mündlich erfassten Quellen zu nennen, zum anderen aber die natürliche Schwäche der emischen Ethnologie, sich klar und explizit davon distanzieren zu können, was zur eigenen Kultur gehört, es sei denn, dass die im Text vertretene Stellungnahme persönlich nicht akzeptabel ist.

Das von uns entwickelte Warnsystem hat zum Ziel, die Authentizität des Forschungsmaterials zu bewahren. Gleichzeitig legt es besonderen Wert darauf, jedes inakzeptable Vorurteil in den Märchen durch spezifisch Stellungnahmen zu thematisieren. Beim Herunterladen oder bei der HTML-Transformation eines Märchentextes erscheint eine entsprechende Warnung, die Leserinnen und Leser darauf hinweist, dass der Text ein oder mehrere solche Stereotype enthalten kann.

Im Folgenden präsentieren wir eine Liste von Warnungen, die auf stigmatisierende und diskriminierende Aussagen in Märchen hinweisen könnten. Die Liste basiert auf allgemeinen Analysen und häufig auftretenden Problematiken in Märchen. Es ist zu beachten, dass ein einzelnes Märchen unter Umständen mehrere dieser Warnungen erfordert.

  1. Warnung vor genderbedingt diskriminierenden Aussagen
    – Hinweise auf stereotype Geschlechterrollen, die Frauen als passiv, unterwürfig oder ausschließlich für häusliche Aufgaben zuständig darstellen, während Männer als stark, mutig oder dominant idealisiert werden.
  2. Warnung vor rassistischen Darstellungen oder kolonialen Klischees
    – Exotisierung von nicht-europäischen Kulturen oder Darstellungen, die Fremde als bedrohlich oder minderwertig darstellen.
  3. Warnung vor antisemitischen Darstellungen oder Stereotypen
    – Die Darstellung von Figuren, die durch Merkmale wie Habgier, Betrug oder List charakterisiert werden, und die auf antisemitische Klischees zurückgehen könnten; die Verwendung von Namen, Berufen (z. B. Geldverleiher) oder Symboliken, die historisch mit antisemitischen Vorurteilen verbunden sind.
  4. Warnung vor sozialer Diskriminierung
    – Abwertung bestimmter sozialer Klassen, z. B. die Darstellung von Armut als Schande oder die Idealisierung von Adel und Reichtum.
  5. Warnung vor körperbezogener Diskriminierung
    – Abwertende Beschreibungen von Menschen mit Behinderungen oder die Gleichsetzung von körperlichen Eigenschaften (wie Hässlichkeit, Arglosigkeit) mit Bösem und moralischer Verderbtheit.
  6. Warnung vor Gewalt und Missbrauch
    – Darstellung von häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch oder anderen gewaltvollen Handlungen, die als normal oder gerechtfertigt erscheinen könnten.
  7. Warnung vor altersdiskriminierenden Aussagen
    – Stereotype Darstellungen von älteren Menschen, z. B. alte Frauen als bösartige Hexen oder Männer als weise Anführer.
  8. Warnung vor ethnischen oder kulturellen Stereotypen
    – Pauschale negative Darstellungen von Gruppen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres kulturellen Hintergrunds.
  9. Warnung vor Schönheitsnormen und Körperidealen
    – Übermäßige Betonung von Schönheit als moralische Tugend und Hässlichkeit als Laster.
  10. Warnung vor diskriminierenden Darstellungen von Familienkonstellationen
    – Abwertung von Stiefeltern, Patchwork-Familien oder kinderlosen Menschen.
  11. Warnung vor religiöser Diskriminierung oder Stereotypen
    – Darstellungen, die bestimmte religiöse Gruppen einseitig bewerten.
  12. Warnung vor Tierquälerei oder negativer Darstellung von Tieren
    – Verharmlosung von Gewalt gegen Tiere oder symbolische Verbindung bestimmter Tierarten mit dem Bösen.
  13. Warnung vor der Idealisierung von Kriminalität
    – Verherrlichung von Diebstahl, Betrug, Entführung oder Mord als clever, gerecht oder notwendig, insbesondere wenn die Figuren, die solche Taten begehen, als Held:innen dargestellt werden.