⚠ Vorurteile im Märchen
Märchen im Allgemeinen zeichnet sich durch den umfangreichen
Einsatz vieler, durch die religiöse, geschlechts-, alters- und ethnische Zugehörigkeit
motivierte Vorurteile und Stereotypen mit äußerst negativen Konnotationen aus.
Die Auseinandersetzung mit diesem Problem wird
gewöhnlich durch folgende Faktoren erschwert: zum einem ist die Sorge um die
authentische, originalgetreue Wiedergabe der mündlich erfassten Quellen zu
nennen, zum anderen aber die natürliche Schwäche der emischen Ethnologie, sich
klar und explizit davon distanzieren zu können, was zur eigenen Kultur gehört,
es sei denn, dass die im Text vertretene Stellungnahme persönlich nicht
akzeptabel ist.
Das
von uns entwickelte Warnsystem hat zum Ziel, die Authentizität des
Forschungsmaterials zu bewahren. Gleichzeitig legt es besonderen Wert darauf,
jedes inakzeptable Vorurteil in den Märchen durch spezifisch Stellungnahmen zu
thematisieren. Beim Herunterladen oder bei der HTML-Transformation eines
Märchentextes erscheint eine entsprechende Warnung, die Leserinnen und Leser
darauf hinweist, dass der Text ein oder mehrere solche Stereotype enthalten
kann.
Im
Folgenden präsentieren wir eine Liste von Warnungen, die auf stigmatisierende
und diskriminierende Aussagen in Märchen hinweisen könnten. Die Liste basiert
auf allgemeinen Analysen und häufig auftretenden Problematiken in Märchen. Es
ist zu beachten, dass ein einzelnes Märchen unter Umständen mehrere dieser
Warnungen erfordert.
- Warnung
vor genderbedingt diskriminierenden Aussagen
– Hinweise auf stereotype Geschlechterrollen, die Frauen als passiv,
unterwürfig oder ausschließlich für häusliche Aufgaben zuständig
darstellen, während Männer als stark, mutig oder dominant idealisiert
werden.
- Warnung
vor rassistischen Darstellungen oder kolonialen Klischees
– Exotisierung von nicht-europäischen Kulturen oder Darstellungen, die
Fremde als bedrohlich oder minderwertig darstellen.
- Warnung
vor antisemitischen Darstellungen oder Stereotypen
– Die Darstellung von Figuren, die durch Merkmale wie Habgier, Betrug oder
List charakterisiert werden, und die auf antisemitische Klischees
zurückgehen könnten; die Verwendung von Namen, Berufen (z. B.
Geldverleiher) oder Symboliken, die historisch mit antisemitischen
Vorurteilen verbunden sind.
- Warnung
vor sozialer Diskriminierung
– Abwertung bestimmter sozialer Klassen, z. B. die Darstellung von Armut
als Schande oder die Idealisierung von Adel und Reichtum.
- Warnung
vor körperbezogener Diskriminierung
– Abwertende Beschreibungen von Menschen mit Behinderungen oder die
Gleichsetzung von körperlichen Eigenschaften (wie Hässlichkeit, Arglosigkeit)
mit Bösem und moralischer Verderbtheit.
- Warnung
vor Gewalt und Missbrauch
– Darstellung von häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch oder anderen
gewaltvollen Handlungen, die als normal oder gerechtfertigt erscheinen
könnten.
- Warnung
vor altersdiskriminierenden Aussagen
– Stereotype Darstellungen von älteren Menschen, z. B. alte Frauen als
bösartige Hexen oder Männer als weise Anführer.
- Warnung
vor ethnischen oder kulturellen Stereotypen
– Pauschale negative Darstellungen von Gruppen aufgrund ihrer ethnischen
Zugehörigkeit oder ihres kulturellen Hintergrunds.
- Warnung
vor Schönheitsnormen und Körperidealen
– Übermäßige Betonung von Schönheit als moralische Tugend und Hässlichkeit
als Laster.
- Warnung
vor diskriminierenden Darstellungen von Familienkonstellationen
– Abwertung von Stiefeltern, Patchwork-Familien oder kinderlosen Menschen.
- Warnung
vor religiöser Diskriminierung oder Stereotypen
– Darstellungen, die bestimmte religiöse Gruppen einseitig bewerten.
- Warnung
vor Tierquälerei oder negativer Darstellung von Tieren
– Verharmlosung von Gewalt gegen Tiere oder symbolische Verbindung
bestimmter Tierarten mit dem Bösen.
- Warnung
vor der Idealisierung von Kriminalität
– Verherrlichung von Diebstahl, Betrug, Entführung oder Mord als clever,
gerecht oder notwendig, insbesondere wenn die Figuren, die solche Taten
begehen, als Held:innen dargestellt werden.